Ehemalige berichten
Christian, 50 Jahre, ist gelernter Glaser- und Fensterbauer und arbeitet heute als Hausmeister bei der Gemeinde Ihringen.
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Was mich in meinen heutigen Beruf gebracht hat, das geht auf einen Lehrer an der Albert-Schule zurück, zu dem ich heute noch ein gutes privates Verhältnis habe. Darum kann ich ihm für seinen Einsatz und seine Unterstützung, die er mir geboten hat, heute auch etwas zurückgeben können, indem ich ihm immer wieder bei Reparaturen geholfen habe.
Als ich in der 6. Klasse war, hat dieser Lehrer gesehen, dass mehr in mir steckt. Selber habe ich das damals gar nicht so gesehen. Er hat mir immer wieder Zusatzaufgaben gegeben, um mich anzuspornen. So konnte ich erfahren, dass ich in der Tat mehr kann, als ich mir bis dahin zugetraut hatte. Welcher Lehrer bringt einem zum Beispiel in der siebten Klasse Grundlagen des technischen Zeichnens bei? Und beim handwerklichen Arbeiten etwa mit Holz hat er mir gezeigt, wie man zuerst ein Konzept entwickelt und wie ich durch Zeichnungen anderen zeigen kann, was ich da eigentlich genau machen will. Das habe ich alles bis heute nicht vergessen. Er hat mir auch dabei geholfen, dass mir als Linkshänder das Schreiben besser gelingt – was bisher eines meiner Probleme war.
Denn gestartet bin ich in der Ihringer Grundschule. Dort musste ich die dritte Klasse wiederholen, weil ich einfach nicht mitgekommen war. In der vierten Klasse sind dann die Probleme gerade mit Mathematik größer geworden. Und ich fühlte mich ausgegrenzt, weil manche meinten, ich als Linkshänder schreibe nicht schön. Es hat an dieser Schule für mich kein Weiterkommen gegeben – wegen des Unterrichts, wegen der Mitschüler und der Klassengröße, natürlich auch wegen der Anforderungen. Nach einem Test bin ich deshalb in die 5. Klasse an der Albert-Schule gewechselt.
Weil mein bester Freund ebenfalls an die Albert-Schule gekommen ist, haben wir beide in die neue Umgebung leichter hineingefunden. Mir war schon klar, dass das eine andere Schulart war, dafür aber wusste ich auch, dass mir hier geholfen wird. Da waren nur noch 10 statt 25 Schüler in einer Klasse, und deshalb sind wir vom ersten Tag an auch ganz anders behandelt worden. Die Lehrer und Lehrerinnen haben sich gekümmert, wenn ich mit einer Aufgabe nicht fertig geworden bin, haben mir alles nochmals erklärt, bis ich es verstanden habe. Ich fühlte mich dadurch ernst genommen, zugleich aber auch gefordert, mich richtig zu bemühen, weil ich im Unterricht viel öfter drangekommen bin. Zugleich haben sie mir auch die Zeit gelassen, die ich zur Bearbeitung einer Aufgabe brauchte.
Wir hatten ganz tolle Lehrer, die uns mit Herzblut unterrichtet haben. Ich erinnere mich an einen Musiklehrer in der achten Klasse, mit dem wir „Peter und der Wolf“ durchgenommen haben, das kann ich heute noch. Mit dem Physiklehrer haben wir auf dem Pausenhof mit Karbid experimentiert und Raketen steigen lassen. In Arbeitsgemeinschaften haben wir Schreibmaschine und anderes gelernt – irgendwie haben wir, so meine Erinnerung, alles gemacht. So haben die Lehrer jedem auf ihrem Gebiet etwas Persönliches mitgegeben und darauf geachtet, dass das einen auch fürs Leben weiterbringt.
Meinen Hauptschulabschluss habe ich in Freiburg gemacht, nachdem mich meine Lehrer von der Albertschule darauf bestens vorbereitet hatten. Damals habe ich in der Prüfung einen halbstündigen freien Vortrag über Kernenergie und erneuerbare Energie gehalten, den ich heute noch auswendig kann. Das Prüfungsgremium war begeistert und hat mir die Note 1 gegeben.
Die Lehre habe ich bei einer Fensterbaufirma gemacht, die ich zuvor in meinem Praktikum kennengelernt hatte. Das waren ganz neue Herausforderungen für mich: Die haben mir nur einmal gezeigt, wie es geht, dann musste ich es können. Da fragte keiner: Wie geht es Dir heute? Die Schule hat mich aber auf diese raueren Verhältnisse vorbereitet, und die Lehrer haben mir auch noch während der Lehre geholfen.
Aber im Endeffekt war man auf sich allein gestellt: Die Geborgenheit, die die Schule geboten hat, war weg. Da musste man einfach funktionieren. Auch in der Gewerbeschule gab es keine Hilfe mehr. In der Mathestunde wurde plötzlich Wurzelrechnung verlangt – davon hatte ich keine Ahnung. Doch ich hatte das Glück, dass mir Studenten der Architektur, die Schreinerei für ihr Fach lernen mussten, vor jeder Prüfung in Mathematik geholfen haben.
So ist es mir immer wieder passiert, dass ich auf Menschen getroffen bin, die an mich und meine Fähigkeiten glaubten, die mir halfen und dadurch das Beste aus mir herausholten. So ist es immer weiter gegangen, so sind meine handwerklichen Fertigkeiten immer gefördert worden. Heute weiß ich: Ich kann alles reparieren.
Heute kann ich auch als Hausmeister der Gemeinde Ihringen an die Albert-Schule zurückgeben, was mir dort gegeben worden ist. Wenn ich hier reinkomme, dann spüre ich immer noch die menschliche Wärme, die mich in meiner Schulzeit hier umgeben hat. Ich fühle mich hier wie zuhause – auch noch mehr als 30 Jahre später.
Michael, seit 2012 im Amt für Finanzen im Landratsamt Emmendingen tätig, hat von 1994 bis 1999 die Albert-Schule besucht. Damals war er in Eichstetten zuhause, aber seit zwölf Jahren wohnt er in Freiburg.
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Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Schulzeit in Albert-Schul?
Ich war 1994 am Anfang des neuen Schuljahrs als Schüler der zweiten Klasse an die Albert-Schule gekommen. Es war für mich nicht einfach, mich zurechtzufinden mit der neuen Schule und den neuen Mitschülerinnen und Mitschülern. Ich hatte lange Zeit einen Cousin in meiner Klasse, zu dem ich einen engen Bezug hatte und der mir geholfen hat, mit der Klasse und der Schule klarzukommen. Doch nach einem halben Jahr hatte ich Anschluss gefunden und mich bald sehr wohl gefühlt. Ich erinnere mich an eine überwiegend fröhliche Schule, auch wenn es manchmal streng zuging (lacht).
Wir waren zehn bis fünfzehn Kinder in der Klasse. Immer wieder kamen neue Schüler hinzu, auf die ich mich einstellen musste. Insgesamt sind wir miteinander weitgehend gut und freundlich ausgekommen. Selbstverständlich gab es auch mal Streitereien unter uns.
Wie wurden Sie mit Ihren Lernschwierigkeiten in der Schule angenommen?
Ich war der einzige Autist in der Klasse, und ich selbst wusste damals ja auch noch nicht, was das war. Ich habe jeden auf seine Weise anders wahrgenommen, und es hatte ja jeder mit eigenen Problemen zu kämpfen. Der Umgang untereinander war zumeist dennoch ganz entspannt. Ich erinnere mich, dass damals viele Jugoslawen neu in der Schule aufgenommen wurden, deren Familien vor dem Krieg im Balkan geflohen waren, zudem noch manche aus dem Libanon. Wir haben darüber gesprochen, was ihnen in ihrer Heimat passiert ist und warum sie jetzt bei uns sind.
Welche schulischen Erlebnisse sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Dass wir von der Schule aus zum Herbsten in den Reben waren. Und dann haben wir einmal an einem Kunstwettbewerb teilgenommen, in dessen Rahmen unsere Bilder – auch eines von mir – in Breisach im Radbrunnen ausgestellt wurden. In Breisach haben wir auch an einem Musical mitgewirkt als Tänzer und Statisten. Für mich persönlich war es schon ein bisschen unheimlich, auf die Bühne zu gehen, obwohl wir das vorher viel geprobt hatten. Dann waren wir mal beim Ihringer Bürgermeister im Rathaus. Naja, solche Sachen bleiben eben stärker in der Erinnerung als der normale Unterricht.
Nach fünfeinhalb Jahren sind Sie auf eine allgemeine Schule in Eichstetten gewechselt. Fühlten Sie sich darauf gut vorbereitet?
Wir wurden aufgeteilt in zwei Klassen, wobei die Schülerinnen und Schüler in der B-Klasse überwiegend zur Hauptschule wechseln sollten. Ich war zunächst in der A-Klasse, am Ende aber in der B-Klasse. Als der Schulwechsel bevorstand, hatte ich besonderen Unterricht durch die damalige Rektorin bekommen, vor allem in Mathematik. Also ich fühlte mich insgesamt gut vorbereitet durch die Albert-Schule.
Der Wechsel war dennoch nicht einfach?
Ja natürlich. Das war plötzlich eine ganz andere Umgebung, ganz andere Kinder, andere Lehrer, anderer Geruch. Ich musste mich ein halbes Jahr einstimmen auf die neue Lage.
Was war im Rückblick schöner, die Hauptschule oder die Albert-Schule?
Ich habe mich an der Albert-Schule heimisch gefühlt. Das war für mich an der Hauptschule anders, dort waren die Mitschüler alle jünger als ich, weil ich das sechste Schuljahr wiederholen musste. Aber ich habe dort auch Schönes erlebt wie die Klassenfahrt zum Abschluss.
Sie haben ja auch nach der Hauptschule nicht aufgehört zu lernen. Haben Sie das schon in den Jahren an der Albert-Schule als Ziel gehabt?
Dass es mit dem Lernen immer weiter geht und dass man auf diese Weise neue Ziele erreichen kann, habe ich in meiner Schulzeit noch nicht so gesehen. Das habe ich erst im Nachhinein verstanden. Deshalb kann ich im Rückblick sagen, dass die Albert-Schule für mich eine gute Erfahrung war. Meine Schuljahre hier haben mir entscheidend geholfen auf meinem weiteren Bildungsweg..
Jürgen, 55 Jahre alt und von Beruf Schlosser, besuchte zunächst die Grundschule in Niederrimsingen, bevor er zu uns an die Albert-Schule wechselte und bis zur 9. Klasse blieb. Die Prüfung zum Hauptschulabschluss legte er 1985 ab.
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Ich bin nach der vierten Klasse von der Grundschule in Niederrimsingen an die Albert-Schule gewechselt. In Niederrimsingen hatte ich die dritte Klasse wiederholen müssen, die vierte Klasse hatte ich auch nicht gepackt, Woran das gelegen hat? Vielleicht war ich etwas zu faul, aber vor allem hat man meine Lese-Rechtschreib-Schwäche nicht erkannt. An der Grundschule wussten die Lehrer, anders als heute, nicht damit umzugehen. Und in der großen Klasse mit mehr als 30 Schülerinnen und Schüler bin ich deshalb untergegangen, zumal ich nicht zu den Lieblingen des Lehrers gehört habe, sondern zu denen, die er ins hoffnungslose letzte Drittel abgeschoben hat.
An der Albert-Schule waren wir dagegen nur noch zu zehnt - fünf Jungs, fünf Mädels. Im ersten Schuljahr ging es bei mir gleich los, ich war topp im Unterricht, topp in den Noten, und die Mitschüler haben auch gleich mitgezogen. Ich habe damals angefangen, wirklich zu lernen, es hat mir plötzlich Spaß gemacht. In Lesen, Schreiben, auch im Rechnen habe ich mich deutlich verbessert. In der kleinen Gruppe ist jeder mal drangekommen, man ist da richtig gefordert gewesen, aber ich fand das angenehm, wenn es auch schwieriger war als vorher und wir alle ja auch eher langsam gelernt haben.
Aber die Lehrerinnen und Lehrer haben darauf geachtet, dass alle mitgekommen sind, dass alle die Prüfungen bestehen konnten. Sie haben uns alles so lange erklärt, bis es auch der letzte kapiert hat. Deshalb habe ich Nein gesagt, als ich gefragt wurde, ob ich auf die Hauptschule wechseln möchte. Denn ich habe gefürchtet, dass ich wieder abstürze in der dann größeren Klasse. In die Albert-Schule bin ich dagegen gerne gegangen, ich bin sogar zum Unterricht gekommen, wenn ich krank war. Außerdem gab es eine gute Kameradschaft untereinander in der Klasse, egal ob Mädels oder Jungen. Am Ende waren wir alle gemeinsam schon zu gut für die Schule, deshalb haben wir alle in der siebten und achten Klasse zwei Schuljahre in einem Jahr geschafft, also praktisch eine Klasse übersprungen.
In der neunten Klasse gab es Praktika, damit wir entscheiden können, welchen Beruf wir erlernen wollten. Ich war beim ersten Mal auf dem Bauhof in Freiburg, danach in Gottenheim in einer Firma für Landmaschinentechnik. Auf den Hauptschulabschluss sind wir in der Albert-Schule vorbereitet worden. Die Prüfungen aber, das war 1985, haben wir in Freiburg-Haslach ablegen müssen. Wir waren zwar damals alle nicht die besten, die Prüfung, mündlich wie schriftlich, war nicht einfach. Dennoch haben wir alle es geschafft. Danach habe ich eine Lehrstelle gesucht. Heute gilt ja: Je besser die Noten sind, desto schneller findet man eine Stelle. Bei uns ging es dagegen um das handwerkliche Können. Dazu hat uns die Albert-Schule vieles geboten, von Kunst übers Kochen bis zum Werken. Was haben wir dort gesägt, geschmirgelt, geschliffen! Wir haben zum Beispiel ein Regal gebaut, 80 Zentimeter lang, mit zwei Böden. Das wurde dann schön gestrichen, nicht nur ein Mal, sondern drei bis vier Mal, bis die Bretter richtig glatt waren. Für mich war das die schönste Zeit in meinen zehn Schuljahren.
Bevor ich mich um eine Lehrstelle bewarb, hatte ich in einer Werkstatt in Breisach ein Praktikum gemacht. Der Chef dort hat schon nach drei Tagen meinem Vater gesagt, er nehme mich sofort, wenn ich bei ihm eine Lehre anfangen wollte. Den hat nicht gekümmert, dass ich auf der Albert-Schule und nicht auf der Hauptschule war, den interessierte nur, was ich handwerklich konnte. Ich glaube deshalb, dass Kinder, die in der Schule nicht so gut sind, in einem Handwerk möglicherweise besser durchkommen – zumindest damals.

